Gespenster


 Gespenster ist ein deutsch-französischer Spielfilm von Christian Petzold aus dem Jahr 2005. Er zeichnet das Porträt einer scheuen Außenseiterin, die an einem Tag zwei existenzielle Begegnungen erlebt, die Verheißung und Enttäuschung mit sich bringen.

 Der Film erzählt episodisch 24 Stunden aus dem Leben des etwa 16-jährigen Berliner Waisenmädchens Nina (Julia Hummer), die im Zeichen von zwei Begegnungen stehen, durch die sich in beiden Fällen Wünsche erfüllen, im ersten von Nina selbst.
In der allmählichen Annäherung an die etwas ältere Toni (Sabine Timoteo) wird offenbar, dass die beiden im Grunde nur eins gemeinsam haben: Sie sind Außenseiterinnen.

In ihrem Temperament könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Nina, ein Heimkind, ist scheu, in sich gekehrt und lebt ganz in ihren Träumen, die sie in Tagebüchern zu verarbeiten sucht, wogegen die vagabundierende Toni impulsiv, dominant und besitzergreifend ist – Letzteres auch im Wortsinn, denn sie ist eine notorische Diebin und macht die oft völlig überrumpelte Nina wie selbstverständlich zur Komplizin.

OriginaltitelGespenster
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch, Französisch
Erscheinungsjahr2005
Länge85 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
RegieChristian Petzold
DrehbuchChristian Petzold,
Harun Farocki
ProduktionFlorian Koerner von Gustorf,
Michael Weber, ARTE
MusikStefan Will,
Marco Dreckkötter
KameraHans Fromm
SchnittBettina Böhler
Besetzung
Julia Hummer: Nina
Sabine Timoteo: Toni
Marianne Basler: Françoise
Aurélien Recoing: Pierre
Benno Fürmann: Oliver
Anna Schudt: Kai

Das geschieht auch, als Nina plötzlich von einer wildfremden Frau (Marianne Basler) mit „Marie“ angesprochen wird: Die Frau, eine Französin, hatte in Berlin einst ihre damals 3-jährige Tochter Marie durch eine Entführung verloren. Sie kehrt seithdem immer wieder zwanghaft zum Tatort zurück und glaubt nun (wieder einmal), in der Jugendlichen die Gesuchte zu erkennen. Sie bittet Nina, anhand von zwei Körpermerkmalen, einer Narbe am linken Knöchel und einem kleinen herzförmigen Leberfleck auf dem Rücken, prüfen zu dürfen, ob sie ihre verschwundene Tochter sein könnte. Die Inspektion des ersten Merkmals verläuft positiv, die des zweiten wird dadurch unterbrochen, dass Toni der Frau die Brieftasche entwendet, mit Nina flüchtet und die Beute nach Entnahme des Geldes in einen Papierkorb wirft.
Danach lotst Toni Nina zu einem Casting, bei dem es darum geht, dass zwei Mädchen erzählen sollen, wie sie Freundinnen geworden sind. Vereinbarungsgemäß legt Toni vor mit einer frei erfundenen Geschichte, wirkt aber längst nicht so sicher wie bei den Proben zuvor. Nina hingegen, die sich lange sträubt, überrascht mit einer zwar stockend vorgetragenen, aber authentisch wirkenden Geschichte, in der sich Traum, Wunschtraum und Reales mischen. Die mit einem Lob verbundene Einladung zu einer abendlichen Party nehmen die beiden an und tanzen dort innig miteinander. Am Morgen danach ist Nina jedoch allein; Toni verbringt die Nacht offenbar mit dem Regisseur, der das Casting geleitet und beide eingeladen hatte. Nina geht noch einmal zurück zu dem Ort, an dem sie am Vortag die Französin getroffen hatte, wo diese tatsächlich wartet und sie zum Frühstück einlädt. Dort kommt ihr Mann hinzu und drängt seine Frau zu gehen. Zu Nina sagt er, ihre Tochter Marie sei tot. Nina begibt sich nun noch einmal dorthin, wo Toni die Brieftasche entsorgt hatte, betrachtet die darin befindlichen Fotos von Marie, wirft sie entschlossen in den Papierkorb zurück und geht weiter.

  •  Die Hauptrollen spielen Julia Hummer, Sabine Timoteo und Marianne Basler. 
  • Filmpremiere war am 15. Februar 2005 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der deutsche Kinostart am 15. September 2005. 
  • Gemeinsam mit Die innere Sicherheit und Yella bildet der Film Petzolds sogenannte „Gespenster-Trilogie“.
  •  Höchste Bedeutung kommt hierbei der Kameraführung zu. Gedreht wurde im Naturlicht und es gab auch den Einsatz der Steadicam, durch die der Zuschauer ähnlich wie in Gus Van Sants Elephant nicht zum stillen Beobachter des Films, sondern zum stillen Beobachter im Film wird. Aus finanziellen Gründen musste der Regisseur jedoch dennoch weitgehend mit Schienen arbeiten.

 



Christian Petzold

(* 14. September 1960 in Hilden) ist ein deutscher Filmregisseur und Drehbuchautor. Er wird der Berliner Schule zugerechnet und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen.



 


 

 

 

 

 

Bild: Der Regisseur Christian Petzold beim Photo Call für den Film "Transit" auf der Berlinale 2018
Von Martin Kraft - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=66767535

 

 Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Daten- und Textquelle : Wikipedia


Jahr

1966 (1) 1969 (1) 1970 (1) 1971 (1) 1975 (1) 1976 (1) 1978 (1) 1979 (1) 1981 (1) 1984 (2) 1985 (2) 1987 (1) 1988 (1) 1990 (1) 1991 (4) 1992 (2) 1993 (3) 1994 (3) 1995 (1) 1996 (5) 1997 (3) 1998 (8) 1999 (3) 2000 (5) 2001 (3) 2002 (5) 2003 (4) 2004 (2) 2005 (8) 2006 (7) 2007 (12) 2008 (12) 2009 (14) 2010 (8) 2011 (11) 2012 (14) 2013 (10) 2014 (12) 2015 (9) 2016 (10) 2017 (10) 2018 (17) 2019 (12) 2020 (10) 2021 (3)